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Denkmal des Monats Mai 2026: Das Geschäfts- und Bürohaus Schadowplatz 11

Der Schadowplatz 11 in Düsseldorf (Stadtmitte) ist eine zentrale Adresse direkt im Herzen der Düsseldorfer Innenstadt, unweit der Königsallee. Das dortige Geschäfts- und Bürohaus ist ein historisch bedeutendes Bauwerk der frühen Nachkriegszeit im Stil der „Konservativen Moderne“. Es steht als wichtiges Zeugnis der Stadtstruktur unter Denkmalschutz. Das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege würdigt diese baukulturelle Rarität im Geschäftszentrum der Landeshauptstadt nun als “Düsseldorfs Denkmal des Monats Mai 2026”.

Wer die Entwicklung des Schadowplatzes in der Düsseldorfer Innenstadt anhand historischer Luftbilder im städtischen Geoportal verfolgt, erkennt einen Ort im ständigen Wandel. Seit dem 19. Jahrhundert veränderten sich Form und Erscheinungsbild des Platzes immer wieder grundlegend. Mit der Fertigstellung des Kö-Bogens nach Plänen von Daniel Libeskind im Jahr 2013 erhielt der Schadowplatz schließlich seine heutige Prägung. Bei näherem Hinschauen und mit Hintergrundwissen erzählt ein Teil der angrenzenden Häuser jedoch auch von bemerkenswerten Kontinuitäten in seiner langen Geschichte.

Dazu zählt das Geschäfts- und Bürohaus Schadowplatz 11, das in den frühen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg an der Stelle eines zerstörten Gebäudes errichtet worden war und sich als Ort für exklusive Herrenmode einen Namen machte. Seine qualitätsvolle Architektur der frühen Nachkriegszeit, die der sogenannten “Konservativen Moderne” zugerechnet wird, hat die zahlreichen Veränderungen des Umfelds außergewöhnlich authentisch überdauert. Das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege würdigt diese baukulturelle Rarität im Geschäftszentrum der Landeshauptstadt nun als “Düsseldorfs Denkmal des Monats Mai 2026”.

Neues auf Altem
Heute steht der markante Baukörper des Kö-Bogens der historisch gewachsenen kleinteiligen Struktur im südlichen Schadowplatz, der früher den Namen “Kälbermarkt” trug, gegenüber. Bereits 1946 wurde auf den Ruinen des auf die 1860er Jahre zurückgehenden Hauses zunächst ein Erdgeschoss mit Ladenlokal errichtet, weil der dort seit 1868 ansässige Herrenausstatter und ehemalige Hoflieferant Rob. Paas-Körber sein Geschäft wiedereröffnen wollte. Der Verkauf seiner Waren war zunächst allerdings auf den Kundenkreis der Offiziere des englischen Hauptquartiers beschränkt. Die Errichtung der sechs Obergeschosse folgte dann ab 1949, wodurch das Gebäude sein heutiges Erscheinungsbild erhielt.

Namhafter Architekt für namhafte Mode
Für den Wiederaufbau des Hauses wählte der renommierte Herrenausstatter den angesehenen Architekten Gustav August Munzer. Der aus Thüringen stammende Architekt war in den 1910er Jahren zum Studium an die Kunstgewerbeschule nach Düsseldorf gekommen. Zuvor hatte er bereits eine Maurer- und Steinmetzausbildung absolviert sowie an der Baugewerkschule in Coburg studiert. Munzer machte Karriere und zeichnete sich allein in Düsseldorf für Hunderte von Wohnhäusern verantwortlich. Besonders hervorzuheben ist das denkmalgeschützte Eckhaus an der Prinz-Georg-Straße 100 aus den Jahren 1924/25, das ursprünglich mit neun Geschossen errichtet wurde und als erstes Wohnhochhaus Deutschlands gilt.

Schadowplatz 11 coloriert um 1960
Das Gebäude Schadowplatz 11 (um 1960) ist links im Bild zu sehen. coloriert durch ChatGPT

Das Gebäude am Schadowplatz 11 war ursprünglich nahezu vollständig der Mode gewidmet. Neben dem Ladenlokal von Rob. Paas-Körber im Erdgeschoss befanden sich im ersten Obergeschoss die Räume des Schneiders Jacques Lenzen. In den weiteren Etagen waren unter anderem ein Hutgeschäft, ein Teppich- und Korsettgeschäft sowie zugehörige Werkstätten untergebracht.

Heute werden die oberen Geschosse überwiegend als Büros genutzt. Einzig an die alte Zeit erinnernd ist das in den Räumen von Jaques Lenzen seit 1977 von Heinz-Josef Radermacher geführte und längst selbst zu einer Institution gewordene Atelier für Maßschneiderei.

Bekannte Mieter an dieser Adresse

  • Salmen Würzberg von Below: Eine überregional tätige Rechtsanwalts- und Fachanwaltskanzlei für Zivilrecht, Arbeitsrecht, Familienrecht und Reiserecht.
  • Bonn, Heinen Rechtsanwälte: Eine Kanzlei mit dem Schwerpunkt Strafverteidigung.
  • Tim Weller: Fachanwalt mit Kanzleisitz im Gebäude.
  • Heinz-Josef Radermacher: Ein traditionelles Atelier für feine Maßschneiderei
Denkmal des Monats Mai 2026: Schadowplatz 11 um 1958
Denkmal des Monats Mai 2026: Schadowplatz 11 um 1958. Noch mit Verkehr: Blick auf die Ecke Schadowplatz/Schadowstraße im Jahr 1958 mit dem damals neuen Geschäfts- und Bürohaus Nr. 11 rechts neben dem noch eingeschossigen Eckhaus;

Konservativ und modern zugleich
Geplant und ausgeführt wurde das streng, doch elegant wirkende Gebäude in Ziegel und Eisenbeton mit einer markanten Fassade aus dem Naturstein des Muschelkalks in Verbindung mit Stahlsprossenfenstern und Brüstungsgeländern.

Die weit in den Leibungen sitzenden, bodentiefen Fenstertüren der Obergeschosse erzeugen eine besondere Tiefenwirkung, durch die die Fassade optisch aufgelöst erscheint. Zusätzliche Akzente setzen die durchlaufenden Gitter am ersten Obergeschoss sowie das Hauptgesims – im ersten Obergeschoss in Anlehnung an französische Balkonlösungen gestaltet.

Besonders bemerkenswert sind die original erhaltenen Stahlfenster der Bauzeit, sogenannte “Nordlicht”-Metallfenster der Firma Kaether & Co. aus Krefeld-Uerdingen. Sie prägen sowohl die Außenwirkung als auch die Innenräume des Hauses wesentlich.

Der rechts im Erdgeschoss gelegene Zugang zu den oberen Etagen vermittelt bis heute die Atmosphäre der frühen Wirtschaftswunderjahre. Wie in einer Zeitkapsel sind dort die historische vollverglaste Eingangstür, geschwungene Vitrinen, Heizungsverkleidungen sowie Spiegel mit feinen Goldrahmungen erhalten. Gemeinsam mit dem verwendeten Muschelkalk entsteht ein außergewöhnlich geschlossenes Erscheinungsbild.

Eine weitere Besonderheit ist der historische Kundenaufzug zu den oberen Geschäftsetagen. Dort haben sich weitere anspruchsvolle Baudetails erhalten, die bei geöffneten Fenstern der Maßschneiderei sichtbar werden: historische Leuchten ebenso wie architektonisch gestaltete Stahlbetonunterzüge mit feinen Stuckprofilen.

In der Verbindung einer konservativen Formensprache in der Fassade mit moderner Detailausbildung steht das historische Gebäude in besonderer Weise sowohl für Kontinuität als auch für Zeitgeist und bildet somit ein bemerkenswertes Beispiel der “Konservativen Moderne”.

Denkmal des Monats Mai 2026: Schadowplatz 11 in der aktuellen Ansicht
Denkmal des Monats Mai 2026: Schadowplatz 11 in der aktuellen Ansicht

Aufgeschlossenheit gegenüber dem Denkmalschutz
Das Fachamt für Denkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland erforschte das Geschäfts- und Bürohaus wissenschaftlich und stellte dessen Denkmalwert fest. Auf Grundlage dieses Gutachtens stellte das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Landeshauptstadt Düsseldorf das Gebäude am 1. August 2025 unter Denkmalschutz. Der Eigentümer unterstützte diesen Schritt ausdrücklich.

Mit der Eintragung in die Denkmalliste wurde eine wichtige Grundlage geschaffen, damit das Gebäude auch künftig von den historischen Stadtstrukturen am Schadowplatz erzählen kann. Zugleich bleibt damit eines der wenigen weitgehend authentisch erhaltenen Gebäude der frühen Nachkriegszeit im Stil der “Konservativen Moderne” dauerhaft im Düsseldorfer Stadtbild präsent.

Reihe “Düsseldorfs Denkmal des Monats”
Das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege im Bauaufsichtsamt erlebt ein anhaltend großes öffentliches Interesse an den großen und kleinen, sichtbaren und verborgenen Bauten und Orten, die von Düsseldorfs bewegter Vergangenheit erzählen. Vor diesem Hintergrund stellt die städtische Denkmalbehörde monatlich ein ausgewähltes Stück gebautes Erbe als “Düsseldorfs Denkmal des Monats” vor.

Bilder: Landeshauptstadt Düsseldorf/Stadtarchiv: Der Schadowplatz aus der Vogelperspektive im Jahr 1960. Links im Bild das denkmalgeschützte Geschäfts- und Bürohaus Schadowplatz 11; Stadtarchiv Düsseldorf, Signatur: 5_8_0_034_763_116: ca. 1960. Farbige Bilder wurden mit KI coloriert.

Quelle: Stadt Düsseldorf