Denkmal des Monats April 2026: Das Majolikahäuschen: Einstiges Kleinod im Hofgarten
Bis vor rund 100 Jahren prägte ein farbenprächtiger Pavillon den Düsseldorfer Hofgarten: das sogenannte Majolikahäuschen. Errichtet wurde es 1902 anlässlich der Industrie- und Gewerbeausstellung vom Keramikhersteller Villeroy & Boch. Nach etwa 25 Jahren wich das Jugendstilbauwerk dem veränderten architektonischen Zeitgeschmack. Die Stadt bittet um Mithilfe: Möglicherweise befinden sich auf Dachböden oder in Kellern noch Relikte des Majolikahäuschens, wie Fragmente, Postkarten, Fotografien oder andere Erinnerungsstücke.
Heute rückt es erneut in den Fokus der Stadtverwaltung: In einem gemeinsamen Projekt untersuchen die Stadtarchäologie des Instituts für Denkmalschutz und Denkmalpflege und das Hetjens – Deutsches Keramikmuseum insgesamt 114 erhaltene Majolika-Fragmente, um neue Erkenntnisse über das einstige Gesamtkunstwerk zu gewinnen.
Ein Jahrhundert nach dem Abbruch und mit der Hoffnung auf weitere Hinweise aus der Stadtgesellschaft stellt das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege das Majolikahäuschen als “Düsseldorfs Denkmal des Monats April 2026” vor.
Ausstellungspavillon für Villeroy & Boch
Das Majolikahäuschen war als “Pavillon Nr. 7” der Beitrag des Keramikherstellers Villeroy & Boch zur Industrie- und Gewerbeausstellung in Verbindung mit der Deutsch-Nationalen Kunstausstellung, die vom 1. Mai bis 20. Oktober 1902 in Düsseldorf stattfand. Das Ausstellungsareal umfasste mit dem Rheingelände und Teilen des Hofgartens rund 18 Hektar. Villeroy & Boch erhielt eine 22 × 40 Meter große Fläche im westlichen Teil des Hofgartens. Der Rohbau begann im August 1901 und wurde im Dezember desselben Jahres abgeschlossen; die Fertigstellung verzögerte sich jedoch bis Juni 1902.
Das rund 75 Quadratmeter große Gebäude mit kreuzförmigem Grundriss war innen und außen reich mit eigens angefertigten Mosaiken, Fliesen und Reliefs aus den Werken in Dresden, Merzig und Mettlach ausgestattet. Charakteristisch ist die Majolika-Technik: Keramik mit zinn- und bleioxidhaltiger Glasur, die beim Brand eine glänzend weiße Oberfläche bildet und sich besonders gut bemalen lässt. Jede Seite des Pavillons zeigte eine eigene formale und farbliche Gestaltung und demonstrierte eindrucksvoll das künstlerische und handwerkliche Können von Villeroy & Boch.
Nachnutzung als Milchbar und Gartencafé
Nach der Ausstellung überließ das Unternehmen den Pavillon der Stadt Düsseldorf. Die solide Bauweise mit dicken Mauern und Keller deutet darauf hin, dass bereits ursprünglich eine längerfristige Nutzung vorgesehen gewesen sein könnte. Von 1904 bis 1918 diente das Gebäude als Milchausschank – eine in Parkanlagen verbreitete Einrichtung jener Zeit. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es als “Café Mosaik-Pavillon” weitergeführt. Es bot Kaffee und Gebäck; im Sommer fanden dort auch Konzerte statt.
Heimlicher Abbruch
Trotz seiner Beliebtheit bei der Bevölkerung galt das Majolikahäuschen im Vorfeld der GeSoLei-Ausstellung 1926 als störend. Der für den städtebaulichen Gesamtentwurf verantwortliche Architekt Wilhelm Kreis empfand das farbenfrohe und verspielt anmutende Bauwerk als unvereinbar mit der inzwischen als modern geltenden sachlichen Architektur, wie sie am Ehrenhof-Komplex verwirklicht wurde.
Der Pächter Hermann Starkloff wurde daraufhin Anfang Februar 1926 kurzfristig zur Räumung aufgefordert. Als er der knappen Fristsetzung nicht entsprechen konnte, fand er den Pavillon leergeräumt und sein Inventar eingelagert vor. In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar 1926 wurde das Gebäude schließlich unter nicht abschließend geklärten Umständen abgerissen. Was mit den Resten des abgebrochenen Majolikahäuschens geschah, stellt die Wissenschaft bis heute vor ein Rätsel.

Relikte bei Bauarbeiten entdeckt
Im Jahr 2014 wurde das wissenschaftliche Interesse der Bodendenkmalpflege neu geweckt, als Bauarbeiten für die Spielplatzerweiterung an der Oederallee erforderlich wurden und Mitarbeitende des Gartenamtes oberflächennah auf bunte Fliesen und Keramiken stießen. Schnell war klar, dass es sich um Relikte des Majolikahäuschens handeln musste. Bei früheren Bauarbeiten in diesem Bereich waren keine Funde aufgetreten, weshalb die Überraschung groß war.
Die Fundamentreste wurden freigelegt und eingemessen. Die zuvor nur anhand von Plänen und Fotografien angenommene Lage des Pavillons ist seither gesichert. Nach der Dokumentation verblieben die Strukturen im Sinne der Bodendenkmalpflege im Boden. Die geborgenen Fragmente wurden dem Hetjens – Deutsches Keramikmuseum sowie dem Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege übergeben.

Wissenschaftliche Bearbeitung
In einem gemeinsamen Projekt analysieren städtische Expertinnen und Experten aus Archäologie, Restaurierung und Kunstgeschichte die Funde. Die Objekte wurden inventarisiert, fotografiert und vermessen. Naturwissenschaftliche Untersuchungen sollen zudem Erkenntnisse zur Zusammensetzung der Glasuren liefern.
Auf Basis historischer Fotografien und Beschreibungen wird versucht, die Fragmente ihren ursprünglichen Positionen am Gebäude zuzuordnen. Eine wichtige Grundlage bildet die 2006 erschienene Monographie der Kunsthistorikerin Melanie Florin. Gleichzeitig zeigt sich bereits, dass die begrenzte Anzahl der Funde nicht alle Fragen beantworten wird. Daher richten Stadtarchäologie und Hetjens-Museum ihren Blick auch auf Hinweise aus der Bevölkerung.
Bitte um Mithilfe
Möglicherweise befinden sich auf Dachböden oder in Kellern noch Relikte des Majolikahäuschens: Fragmente, Postkarten, Fotografien oder andere Erinnerungsstücke. Im Mittelpunkt steht die Frage nach noch vorhandenen Objekten. Auch kleine Hinweise können dazu beitragen, offene Fragen zu diesem bedeutenden Jugendstilensemble zu beantworten. Hinweise werden per E-Mail entgegengenommen unter: denkmalschutz@duesseldorf.de. Auch Erinnerungen oder Erzählungen sind willkommen.
Titelbild: Landeshauptstadt Düsseldorf/Stadtarchiv; Majolikahäuschen südlich der Schützenwiese. Ansichtspostkarte, Verlag Wörmbcke, ca. 1902
Quelle: Stadt Düsseldorf

