3 A B C D F G H J K L M N O R S T U W Z
Ja Jo Ju
GeschichteParksPersönlichkeiten

Jan-Wellem-Brunnen

Die Jan-Wellem-Quelle (offiziell meist als Jan-Wellem-Brunnen bezeichnet) ist eine historische, denkmalgeschützte Brunnenanlage am Fuße des Grafenberger Waldes im Düsseldorfer Stadtteil Grafenberg. Sie blickt auf eine über 300-jährige Geschichte zurück und gilt als eines der “vergessenen Wasserheiligtümer” der Stadt.

Geschichte und Bedeutung

Die Anfänge – eine Quelle für den kurfürstlichen Hof
Die Geschichte der Quelle reicht sogar vor Jan Wellem zurück. Bereits im späten 17. Jahrhundert war die Quelle am Grafenberger Wald bekannt. Ihrem eisenhaltigen Wasser wurde eine heilende Wirkung zugeschrieben. Eine Eremitage in der Nähe der Quelle ist bereits 1688 urkundlich erwähnt. Kurfürst Johann Wilhelm II. von Pfalz-Neuburg (1658–1716), der von den Düsseldorfern liebevoll „Jan Wellem“ genannt wurde, schätzte das Wasser besonders. Während seiner Regierungszeit wurde die Quelle zu einer regelrechten kurfürstlichen Wasserstation. Um 1702 ließ Jan Wellem die Quelle fassen und mit einer achteckigen Ringmauer umgeben. Die nahegelegene Eremitage übernahm die Betreuung der Anlage. Das Wasser wurde regelmäßig in Krügen zum Düsseldorfer Schloss am Rhein gebracht.

Free Litecoin

Warum war das Wasser so wichtig?
Damals war sauberes Trinkwasser keineswegs selbstverständlich. Das Wasser dieser Quelle galt wegen seines Geschmacks und seines Mineralgehalts als besonders hochwertig. Jan Wellem soll es deshalb sogar für seine Tafel bevorzugt haben. Es gibt außerdem die Überlieferung, dass das Wasser nicht nur den Düsseldorfer Hof versorgte, sondern sogar bis zum spanischen Hof gelangte. Diese Angabe wird in der lokalen Überlieferung mehrfach genannt; sie sollte allerdings eher als historische Überlieferung denn als zweifelsfrei belegte Tatsache verstanden werden.

Die Eremitage
Zur ursprünglichen Anlage gehörte eine Einsiedelei mit Kapelle. Die Eremiten hatten unter anderem die Aufgabe, die Quelle zu betreuen, zu überwachen und den Zugang streng zu kontrollieren. Damit war der Ort mehr als nur ein Brunnen: Er verband Wasserversorgung, Frömmigkeit und höfische Repräsentation miteinander. Die Anlage am Grafenberg war Teil jener Landschaft, die Jan Wellem rund um seine Residenz Düsseldorf bewusst gestaltete.

Der große Umbau von 1818

Nach dem Ende der kurfürstlichen Zeit änderte sich die Bedeutung des Ortes. Düsseldorf wurde Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst französisch und anschließend preußisch. In dieser Zeit begann man, die Umgebung der Stadt zu einem öffentlichen Erholungsgebiet umzugestalten.

Dabei spielten zwei bedeutende Düsseldorfer Garten- und Stadtplaner eine Rolle:

  • Maximilian Friedrich Weyhe gestaltete ab etwa 1816 den Grafenberger Parkforst als Landschaftspark.
  • Adolph von Vagedes überarbeitete 1818 die eigentliche Brunnenanlage.

Vagedes schuf die heute charakteristische klassizistische Schmuckfassade mit dem halbrunden Brunnenbereich. Dadurch erhielt die einst rein funktionale kurfürstliche Quelle ihr repräsentatives Erscheinungsbild.

Das ist besonders interessant: Der heutige Jan-Wellem-Brunnen ist also kein unverändert erhaltenes Bauwerk aus der Zeit Jan Wellems. Sein Ursprung liegt zwar um 1700, sein heutiges architektonisches Erscheinungsbild wird aber wesentlich durch den Umbau von 1818 geprägt.

Vom wichtigen Brunnen zum vergessenen Denkmal

Im Laufe des 19. Jahrhunderts verlor die Quelle ihre ursprüngliche Bedeutung. Schließlich versiegte die Quelle beziehungsweise wurde für die Wasserversorgung unbrauchbar. Die Anlage verfiel zunehmend. Um 1900 soll der Brunnenhof zeitweise sogar als Biergarten genutzt worden sein. Später war vom ursprünglichen Brunnen kaum noch etwas übrig. In den Denkmalakten wurde der Zustand in den 1980er Jahren entsprechend beklagenswert beschrieben.

Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung: Aus einem exklusiven kurfürstlichen Wasserlieferanten wurde zunächst ein Ausflugsziel und schließlich ein nahezu vergessenes Baudenkmal.

Die Wiederentdeckung 1999

Eine dramatische Wende kam 1999. Bei Bauarbeiten in der Umgebung wurden die Reste des historischen Brunnenbeckens wiederentdeckt. Es bestand die Gefahr, dass die Anlage durch die Bautätigkeit endgültig zerstört werden könnte. Engagierte Düsseldorfer Bürger setzten sich für den Erhalt ein.

Im Jahr 2000 wurde der Förderkreis Jan-Wellem-Brunnen e.V. gegründet. In den folgenden Jahren wurde die Anlage mit erheblichem bürgerschaftlichem Engagement wiederhergestellt.

Dabei wurden unter anderem

  • das historische Brunnenbecken rekonstruiert,
  • die fehlenden Natursteinpfeiler ergänzt,
  • die Kaskade wiederhergestellt,
  • die historische Fassadenmauer instandgesetzt,
  • der charakteristische Lanzettzaun rekonstruiert und
  • eine Wasserpumpe installiert.

Als Grundlage dienten unter anderem historische Pläne von 1818. 2005 wurde der wiederhergestellte Brunnen erstmals offiziell der Düsseldorfer Öffentlichkeit präsentiert.

Heute

Heute liegt der Jan-Wellem-Brunnen an der Ernst-Poensgen-Allee, unmittelbar am Grafenberger Wald und in Verbindung mit dem historischen Weyhe-Park. Die Stadt Düsseldorf führt ihn als Bau- und Bodendenkmal. Besonders reizvoll ist, dass man hier verschiedene Epochen Düsseldorfs auf engem Raum nachvollziehen kann.

Der Brunnen ist damit gewissermaßen ein kleines erhaltenes Stück der Jan-Wellem-Zeit, das die Geschichte Düsseldorfs aus einer ganz anderen Perspektive erzählt als das berühmte Reiterstandbild auf dem Marktplatz. Vom Staufenplatz aus lässt sich die Anlage zu Fuß erreichen, indem man rund 100 Meter der Ernst-Poensgen-Allee entlang des Waldrandes folgt, bis das Bauwerk auf der rechten Seite erscheint.

Jan Wellem und Rathaus 24 Nov 2021 16 Jan 2022
Kurfürst Jan Wellem vor dem Rathaus Düsseldorf

Eine interessante Verbindung
Der Jan-Wellem-Brunnen und das berühmte Jan-Wellem-Reiterstandbild auf dem Marktplatz gehören übrigens indirekt zusammen: Beide erinnern an denselben Kurfürsten und seine außergewöhnliche Bedeutung für Düsseldorf. Das Reiterstandbild wurde von Gabriel de Grupello geschaffen und 1711 aufgestellt. Jan Wellem ließ es noch zu Lebzeiten errichten – es war also gewissermaßen sein eigenes Herrscherdenkmal.

Beim Brunnen dagegen begegnet uns der private, alltägliche Jan Wellem: nicht als Herrscher hoch zu Ross, sondern als Mensch, der Wert auf gutes Wasser, gutes Essen und einen guten Tropfen Wein legte. Genau dieser Gegensatz macht den Jan-Wellem-Brunnen so spannend.

Text mit Hilfe von ChatGPT (redaktionell gepüft)

Titelbild (mit ChatGPT optimiert): Johann H. Addicks – license under GFDL1.2 + CC-by-nc-nd/3.0, GFDL 1.2

Ähnliche Einträge