DüWag (Düsseldorfer Waggonfabrik)
DüWag (offiziell zuletzt DUEWAG AG, ehemals Waggonfabrik Uerdingen) war einer der bedeutendsten deutschen Schienenfahrzeughersteller des 20. Jahrhunderts. Das Unternehmen hielt über Jahrzehnte hinweg ein Beinahe-Monopol auf dem westdeutschen Markt für Straßenbahnen und Stadtbahnwagen. Das charakteristische Design und die legendäre Robustheit der Fahrzeuge prägten das Bild des öffentlichen Nahverkehrs in fast allen bundesdeutschen Großstädten nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich.
Die wichtigsten Stationen
Das Unternehmen wurde am 16. März 1898 als Waggon-Fabrik AG Uerdingen in Krefeld-Uerdingen ins Leben gerufen. Durch den Zusammenschluss mit der Düsseldorfer Waggonfabrik verlagerte sich der Schwerpunkt für den Bau von Nahverkehrsfahrzeugen (Straßenbahnen) nach Düsseldorf.
Düsseldorfer Waggonfabrik
Die Düsseldorfer Waggonfabrik ging aus der von den jüdischen Brüdern Albert und Hermann Schöndorff gegründeten Holzverarbeitungsfabrik hervor, die ab 1916 als Gebr. Schöndorff AG firmierte und früh mit dem Bau von Eisenbahn- und Straßenbahnwagen begann. Unter dem Druck der Nationalsozialisten wurden die Gründer aus dem Unternehmen gedrängt. Die Firma wurde in Düsseldorfer Waggonfabrik AG (DÜWAG) umbenannt. Die Waggonfabrik Uerdingen AG übernahm 1935 die Aktienmehrheit. Fortan spezialisierte sich das Werk in Krefeld-Uerdingen auf schwere Eisenbahnwagen (wie den berühmten Uerdinger Schienenbus), während das Düsseldorfer Werk an der Königsberger Straße (Lierenfeld) das Epizentrum für den Bau von Straßenbahnen wurde.
Mit wegweisenden Neuentwicklungen ab den 1950er Jahren wurde DüWag zum unangefochtenen Marktführer in Westdeutschland. Im Jahr 1989 übernahm der Siemens-Konzern die Mehrheit. Bis zum Jahr 2000 wurde das Traditionsunternehmen vollständig in die heutige Siemens Mobility integriert und der Name DüWag als eigenständige Marke aufgegeben. Das Werk in Düsseldorf wurde geschlossen, während der Standort Krefeld-Uerdingen bis heute moderne Züge (wie den ICE oder Regionalbahnen) produziert.
Legendäre Produkt-Meilensteine
- Der Uerdinger Schienenbus: In den 1950er- und 1960er-Jahren rettete der „Retter der Nebenbahnen“ hunderte ländliche Eisenbahnstrecken der Deutschen Bundesbahn vor der Stilllegung.
- Die DüWag-Gelenkwagen (GT6 / GT8): Ab 1956 gebaut, wurden diese robusten sechs- und achtachsigen Fahrzeuge mit ihrer charakteristischen, schrägen Frontscheibe zum absoluten Standard in westdeutschen Innenstädten. Technisch glänzten sie durch den patentierten DüWag-Tandemantrieb.
- Stadtbahnwagen Typ B: In den 1970er-Jahren entwickelte DüWag dieses Hochflur-Fahrzeug, das zum Rückgrat der neuen Stadtbahn-Netze im Rhein-Ruhr-Raum, in Köln, Bonn und Dortmund wurde.
- TW 6000: Die ikonische, grüne Stadtbahn für die ÜSTRA Hannover, entwickelt für die dortige Stadtbahneinführung und die EXPO 2000.

Das “Testlabor” Rheinbahn
Ein großer Vorteil des Werks in Düsseldorf-Lierenfeld war der direkte Gleisanschluss an das Netz der Rheinbahn. Neue Prototypen und technische Innovationen konnten so nachts direkt im realen Schienennetz unter Praxisbedingungen getestet werden, was der DUEWAG einen enormen Qualitäts- und Entwicklungsvorsprung sicherte.
Viele der robusten Fahrzeuge wurden nach ihrer Ausmusterung in Deutschland in osteuropäische Städte (wie Krakau, Posen oder Stettin) verkauft, wo sie nach Modernisierungen teilweise bis heute im täglichen Einsatz sind.
Da DüWag-Fahrzeuge als nahezu unverwüstlich gelten, sind modernisierte oder historische Exemplare auch heute noch in diversen Städten weltweit sowie auf Museumsbahnen im täglichen Einsatzzustand zu erleben.
Titelbild: DüWag Werbung aus den 1950er Jahren (modifiziert mit ChatGPT)
